Abschiedsreden

Abschiedsreden

15 September 2024
Thema: Gemeinde , Mahnung
Buch: 5. Mose
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Ich hatte die Brüder gebeten, heute einmal wieder hier vorne auf der Kanzel stehen zu dürfen, weil ich mich verabschieden möchte von Euch. Nach einigen Jahren, die ich jetzt immer hin und her gewechselt bin zwischen Neumünster und Reutlingen, werde ich im Oktober meine Wohnung in Reutlingen verlassen und ganz nach Neumünster ziehen.

Seit zwölf Jahren durfte ich Teil dieser Gemeinde sein. Im Dezember 2012 habe ich das erste Mal hier vorne gestanden und bin mit euch den barmherzigen Samariter durchgegangen. Wie Christus den am Wegesrand liegenden hilflosen Menschen rettet, dem das Gesetz in Gestalt von Priester und Levit nicht helfen kann. Und nun nach zwölf Jahren, nach über 60 Predigten hier vorne, was soll der Inhalt meiner letzten Predigt hier vorne sein? Was habe ich zu sagen? Was ist wirklich wichtig, was ich euch mitgeben darf?

Und da ich hier vorne keine eigene Weisheit verbreiten will, nicht Wilhelms letzte Worte, sondern das sein will, was immer mein Anliegen war, hier vorne zu sein, ein Zeuge Jesu Christi, habe ich in der Schrift gesucht und habe mir angeschaut, welche Abschiedsreden es in der Schrift gibt und was die großen Hirten der Herde Gottes der Gemeinde als letzte Worte mitgegeben haben.

Die erste Botschaft – Sicher in Jesu Armen

Die erste Abschiedsrede, mit der ich starten möchte, ist der Segen des Mose. Diesen finden wir in 5. Mose 33. Ich lese uns nur einen kleinen Ausschnitt daraus. Da heißt es

1Dies ist der Segen, mit dem Mose, der Mann Gottes, die Israeliten vor seinem Tode segnete. 2Er sprach: Der HERR ist vom Sinai gekommen und ist ihnen aufgeleuchtet von Seïr her. Er ist erschienen vom Berge Paran her und ist gezogen nach Meribat-Kadesch; in seiner Rechten ist ein feuriges Gesetz für sie. 3Ja, er liebt die Völker! Alle Heiligen sind in deiner Hand. Sie werden sich setzen zu deinen Füßen und werden lernen von deinen Worten.

Dann kommt der Segen über die einzelnen Stämme Israels. Dann ab Vers 26 heißt es weiter:

26Es ist kein Gott wie der Gott Jeschuruns, der am Himmel daherfährt dir zur Hilfe und in seiner Hoheit auf den Wolken. 27Zuflucht ist bei dem Gott, der von alters her ist, und unter seinen ewigen Armen. Er hat vor dir her deinen Feind vertrieben und geboten: Vertilge! 28Israel wohnt sicher, der Brunnquell Jakobs unbehelligt in dem Lande, da Korn und Wein ist, dessen Himmel von Tau trieft. 29Wohl dir, Israel! Wer ist dir gleich? Du Volk, das sein Heil empfängt durch den HERRN, der deiner Hilfe Schild und das Schwert deines Sieges ist! Deine Feinde werden dir schmeicheln, und du wirst auf ihren Höhen einherschreiten. (5. Mose 33, 1-4 + 26-29)

Gott hat sich ein Volk erwählt. Mit einem einzigen Mann hat er begonnen, den er herausgeführt hat aus seiner Heimat. Er hat das Volk groß werden lassen. Er hat es in die Fremde geführt. Und nun hat er es 40 Jahre zuvor aus Ägypten, aus der Unterdrückung herausgeführt, durch die Wüste. Er hat es dort gelehrt, er hat es ernährt, er hat es gereinigt. Nun stehen sie vor den Toren des verheißenen Landes. Aber der Sieg ist noch nicht errungen. Es ist das von ihm erwählte, herausgeführte Volk, aber der Sieg steht noch aus. Diesem Volk, das Mose jetzt verlassen muss, gibt er die Botschaft: Der Herr hat euch erwählt. Ihr steht unter seinem Segen. In ihm seid ihr sicher, in ihm habt ihr Frieden. Durch ihn habt ihr Nahrung die Fülle. Er segnet sie, er gibt ihnen Sicherheit. Er wiederholt die Verheißung, die der Herr ihnen gegeben hat.

Ich möchte drei Aspekte herausgreifen. Wir lesen von Israel. „Du bist das Volk, das sein Heil empfängt durch den Herrn.“ (Vers 29). Der zweite Punkt, auch in Vers 29: „Der deiner Hilfe Schild und das Schwert deines Sieges ist“. Und der dritte Punkt: „Alle Heiligen sind in deiner Hand, sie werden sich setzen zu deinen Füßen und werden lernen von deinen Worten“ (Vers 3).

Diese drei Überschriften, sie korrespondieren sehr direkt mit den letzten Worten Jesu an seine Jünger vor seinem Tod. Der Herr hatte sich seine Jünger auserwählt. Er hatte sie herausgerufen aus dem Volk in seine Nachfolge. Er hatte sie gelehrt, er hatte sie genährt. Aber der Sieg stand noch aus. Das Land war noch nicht eingenommen. Die Kreuzigung, die Auferstehung, die Himmelfahrt, Pfingsten, sie waren noch nicht geschehen. Nun muss er sie verlassen und sagt: „Dort, wo ich hingehe, könnt ihr nicht hingehen.“ Wir sehen, es ist dieselbe Situation wie Mose mit dem Volk.

Jesu Abschied, er hat auch drei große Teile. Das ist zum einen das Abendmahl. Da sind zum Zweiten, insbesondere vor dem Abendmahl in Matthäus 24, 25 oder in Lukas 21 die großen Endzeitreden. Und dann drittens im Johannes-Evangelium nach dem Abendmahl die Abschiedsreden Jesu. Wir werden die drei Punkte, die wir uns hier aus dem Segen des Mose herausgegriffen haben, auch in den letzten Worten Jesu an seine Gemeinde finden.

Sicher in Jesu Armen – des Heils gewiss

Du Volk, das sein Heil empfängt durch den HERRN (Vers 29) – Das Abendmahl

Das Erste ist „Du Volke, das sein Heil empfängt durch den Herrn.“ Dies korrespondiert mit dem Abendmahl. Mose kennzeichnet das Volk als das von Gott erwählte Volk, als das Volk, das sein Heil empfängt durch den Herrn. Die von Gott erwählten Jünger Jesu dürfen ebenfalls ihr Heil von Gott empfangen und sich ihres Heils gewiss sein. Dies wird symbolisiert im Abendmahl. Jesus nahm seinen Leib und gab ihnen den Jüngern. Er vergoss sein Blut und gab es dahin zur Reinigung der Jünger. So ist auch das Heil, was sie von Herrn empfangen.

Und weil es eben Christi Leib ist, den er am Kreuz für unsere Sünden dahingegeben hat und es sein Blut ist, mit dem wir rein werden, liegt es nicht an uns, dass wir Frieden mit Gott haben. Nicht an unserer Ernsthaftigkeit, nicht an unserer Religiosität, nicht an unserer Entscheidung, nicht an unserer Treue, nicht an unseren Werken. Sondern wir haben das Heil empfangen durch den Herrn. Christus gibt uns seinen Frieden mit Gott. Es ist sein Frieden, den er erworben hat am Kreuz. Und dieser Friede ist nicht vergänglich wie der Friede der Welt. Christus spricht:

27Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht. (Johannes 14, 27)

Es ist nicht der Frieden, den wir mit Gott machen können, sondern es ist der Frieden, den Christus uns erworben hat. Wir sind das Volk, das sein Heil empfängt durch den Herrn. Und in Johannes 10 sagt uns Christus:

27Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; 28und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. 29Was mir mein Vater gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann es aus des Vaters Hand reißen. 30Ich und der Vater sind eins. (Johannes 10, 27-30)

Ich gebe ihnen das ewige Leben. Niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Ein Volk, das ein Heil empfängt durch den Herrn. Paulus kann den Philippern sagen:

…6und ich bin darin guter Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird’s auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu. (Philipper 1, 6)

Christus selbst sagt seinen Jüngern in seinen letzten Reden:

2Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten? 3Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, auf dass auch ihr seid, wo ich bin. (Johannes 14, 2-3)

Das ist die erste Sicherheit, die wir nehmen dürfen als Verheißung, die Mose dem Volk Gottes mitgibt, die Christus seinen Jüngern mitgibt. Ihr seid das Volk, das sein Heil empfängt durch den Herrn. Und deshalb seid ihr sicher, weil es nicht an euch liegt, sondern am Herrn.

Sicher in Jesu Armen – hindurchgetragen in der Welt

Der deiner Hilfe Schild und das Schwert deines Sieges ist! (Vers 29) – Die Endzeitreden

Das Zweite: Sicher in Jesu Amen in dieser Welt. In Vers 29 heißt es: „Der deiner Hilfe Schild und das Schwert deines Sieges ist“. Dies korrespondiert mit Jesu Endzeitreden. Jesus warnt seine Jünger sehr ausführlich über mehrere Kapitel hinweg. Es ist ihm sehr wichtig zu sagen, was in der Welt auf sie zukommt. Johannes 15 lesen wir:

18Wenn euch die Welt hasst, so wisst, dass sie mich vor euch gehasst hat. 19Wäret ihr von der Welt, so hätte die Welt das Ihre lieb. Weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt erwählt habe, darum hasst euch die Welt. (Johannes 15, 18-20)

Und er sagt, das wird sogar noch viel schlimmer. Das geht in die Gemeinden hinein.

9Dann werden sie euch der Bedrängnis überantworten und euch töten. Und ihr werdet gehasst werden um meines Namens willen von allen Völkern. 10Dann werden viele zu Fall kommen und werden sich untereinander verraten und sich untereinander hassen. 11Und es werden sich viele falsche Propheten erheben und werden viele verführen. 12Und weil die Missachtung des Gesetzes überhandnehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten. (Matthäus 24, 9-12)

Die Anfeindung der Welt hat Auswirkungen auf die Gemeinde, weil sich in der Gemeinde das Unkraut vom Weizen trennen wird. Es wird alles hervorkommen, was nicht vom Herrn ist. Es wird alles hervorkommen, was nicht auf Gold, Silber gebaut ist, sondern auf Holz, Heu und Stroh. Und es wird in den Gemeinden zu einem Hickhack kommen. Gemeinden werden sich spalten. Es wird Unfrieden sein. Es wird Missachtung des Gesetzes sein. Die Liebe wird in vielen erkalten. Es wird alles das hochkommen, was für eine Weile in den Ortsgemeinden übertüncht war. Aber, sagt Christus, wer beharrt bis ans Ende, der wird selig (Vers 13). Die Meinen werde ich durchtragen. Und er sagt den Jüngern

4Aber dies habe ich zu euch geredet, damit, wenn ihre Stunde kommen wird, ihr daran denkt, dass ich’s euch gesagt habe. … (Johannes 16, 4)

Christen sollen Bescheid wissen, dass dies passieren wird. Aber dann sagt Christus seiner Gemeinde, dies habe ich mit euch geredet, nicht damit ihr euch vorbereitet, nicht damit ihr Angst habt, sondern

33Dies habe ich mit euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. (Johannes 16, 33)

Was immer die Menschheitsgeschichte auf dieser Welt, in dieser Erdenzeit erleben wird, und was immer auf die Gemeinde zukommt, wir wissen, Christus hat diese Welt überwunden. Und wir dürfen bei allem, was passiert, in ihm Frieden haben. Im hohen priesterlichen Gebet lässt er die Jünger mithören, wie er zum Vater betet.

15Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen. (Johannes 17, 15)

Mose darf der Gemeinde sagen, „der Herr ist deiner Hilfe Schild und das Schwert deines Sieges“. Ich habe dir ein Land gegeben, das eigentlich besetzt war von Feinden und du bist umgeben von Feinden. Aber der Herr ist deiner Hilfe Schild und das Schwert deines Sieges. Mose weiß, Zuflucht ist bei dem Gott, der von Alters her ist und unter seinen ewigen Armen. Und Paulus kann bekennen:

35Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? 36Wie geschrieben steht: »Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wir sind geachtet wie Schlachtschafe.« 37Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat. 38Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, 39weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn. (Römer 8, 35-39)

Das ist der zweite Segen des Mose. Das ist die zweite Botschaft, die Christus seinen verängstigten Jüngern mitgibt, bevor er sie verlässt: In mir habt ihr den Sieg. In mir habt ihr euer Schild und das Schwert eures Sieges.

Ich empfinde die Christen in Deutschland derzeit, egal wo ich hinschaue, häufig sehr wehleidig. Wir haben doch noch kaum etwas zu leiden. Uns geht es gut. Uns geht es im Allgemeinen finanziell gut. Wir haben gutes Auskommen. Wir dürfen uns frei versammeln. Ja, da gibt es das ein oder andere, was wir sehen, was an der Welt nicht gut ist. Aber uns geht es noch vergleichsweise so gut. Und ich glaube, wir tun den Geschwistern, die in wirklicher Not und Anfechtung und Verfolgung leiden, Unehre, wenn wir hier in Deutschland schon so sehr klagen, statt unserem Herrn zu vertrauen. Der Herr sagt, ich bin deiner Hilfe Schild und das Schwert deines Sieges.

Was wir tun sollten, ist nicht, dem Herrn und untereinander ständig zu klagen, sondern ihm zu danken für das, was wir aus seiner Hand nehmen dürfen und ihm zu vertrauen, was die Zukunft angeht. Er ist unser Schild und das Schwert unseres Siegs. Und der Blick auf die böse, böse Welt – ja, und die Welt ist böse – sie verstellt uns so häufig den Blick auf unsere eigene Sünde. Es grenzt sich so schön ab gegenüber der Bosheit der Welt, so dass wir selbst dann ja zu den Guten gehören und blind werden für den Balken in unseren eigenen Augen, für unsere eigene Sünde und die der Gemeinde. Hier droht uns die eigentliche Gefahr. Seien wir gewiss, der Herr wird die Seinen hindurch tragen, durch Gegenwärtiges und Zukünftiges.

Sicher in Jesu Armen – gestärkt durch Wort und Geist

Alle Heiligen sind in deiner Hand. Sie werden sich setzen zu deinen Füßen und werden lernen von deinen Worten (Vers 3) – Die Abschiedsreden

Das Dritte, was Mose dem Volk Gottes mitgibt in Vers 3: „Alle Heiligen sind in deiner Hand, sie werden sich setzen zu deinen Füßen und werden lernen von deinen Worten.“ Dies korrespondiert mit Jesu Abschiedsreden in Johannes.

Mit Jesu Tod, Auferstehung und Himmelfahrt hat die Endzeit begonnen. Wir leben in der Endzeit, die Zeit, in der Jesus als Mensch gegangen ist und in der wir warten auf den Auferstandenen, Jesus Christus, der wiederkommt. Das ist die Endzeit. Und in dieser Endzeit hat er uns etwas mitgegeben. Johannes 16 sagt er seinen Jüngern: „Ich habe euch noch viel zu sagen.“ Und ich würde so gerne noch mehr Predigten von Christus im Wortlaut hören. Wenn ich es mir wünschen dürfte, würde ich gerne mit nach Emmaus gehen und Christus zuhören. Aber er sagt seinen Jüngern:

12Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen. 13Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in aller Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. (Johannes 16, 12-13)

Der Herr hat uns sein Wort in der Schrift gegeben und er hat uns den Heiligen Geist gegeben, der uns die Schrift aufschließt und in alle Wahrheit leitet. Das ist das Licht auf unserem Weg, welches wir haben und dessen wir gewiss sein dürfen. Im hohen priesterlichen Gebet lässt er seine Jünger wieder mithören.

3Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen. … 6Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt. 7Nun wissen sie, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir kommt. 8Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen und wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie glauben, dass du mich gesandt hast. (Johannes 17, 3-8)

Das ist der dritte Segen, den Christus seinen Jüngern mitgibt. Er hat das Wort vom Vater empfangen und er hat es seinen Jüngern gegeben und er hat es uns heute gegeben. Was ein Segen ist es, dass wir die Schrift haben. Was ein Segen ist es, dass der Herr uns durch seinen Geist die Schrift aufschließt. Wir haben wie das Volk im verheißenen Land Korn und Wein die Fülle. Wir müssen nur nehmen davon.

Wir dürfen in Christus den Vater erkennen. Wir müssen nicht mehr sagen, Herr, zeige uns den Vater, weil wir nun den heiligen, gerechten, fernen Gott sehen. Wir dürfen wissen: „Wer mich sieht, der sieht den Vater.“ Wir dürfen das Alte Testament lesen und es ist nicht mehr die Decke über die Augen gelegt, sondern wir dürfen die Bilder, die auf Christus deuten im Alten Testament erkennen. Von der Schöpfung über den Auszug aus Ägypten von Josef bis zum Schibboleth. Wir erkennen Christus. Wir dürfen Christi Gleichnisse erkennen, die er dem Volk damals erzählt hat, auf das sie nicht erkennen. Und uns dürfen sie zum Segen sein. Und er möchte uns im Alltag mit seinen Augen leiten.

Zwischenfazit

Auch uns gilt der Segen des Mose: „Sie werden sich setzen zu deinen Füßen und werden lernen von deinen Worten.“ Was für ein Segen in diesen Abschiedsworten des Mose. Wir dürfen unseres Heils gewiss sein. Wir dürfen wissen, dass der Herr uns auch durch die Anfeindungen der Welt hindurchtragen wird. Und wir werden gestärkt und geleitet durch den Geist, der uns die Schrift aufschließt und uns Christus erkennen lässt. Und dafür gehört unserem Herrn Dank, Anbetung und Lobpreis.

29Wohl dir, Israel! Wer ist dir gleich? Du Volk, das sein Heil empfängt durch den HERRN, der deiner Hilfe Schild und das Schwert deines Sieges ist! (5. Mose 33, 29)

Paulus schreibt an die Epheser.

3Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus.

13In ihm seid auch ihr, die ihr das Wort der Wahrheit gehört habt, nämlich das Evangelium von eurer Rettung – in ihm seid auch ihr, als ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist, der verheißen ist, 14welcher ist das Unterpfand unsres Erbes, zu unsrer Erlösung, dass wir sein Eigentum würden zum Lob seiner Herrlichkeit. (Epheser 1, 3 + 13-14)

Und so wollen wir auch zu Gottes Ehre nicht klagen, sondern danken und loben.

Die zweite Botschaft – Wer überwindet

Wenige Kapitel nach dem Segen des Mose lesen wir allerdings noch eine andere Abschiedsrede, die in eine andere Zeit hineinspricht. Nach Mose kommt Josua. Und Josua führt das Volk nun in das verheißene Land hinein. Der Sieg ist errungen. Das Volk lässt sich nieder, die einzelnen Stämme in ihren verschiedenen Landesteilen, einige wirklich im verheißenen Land, einige auf der anderen Seite des Jordans, außerhalb des verheißenen Landes, zwischen den Grenzen und man lebt sich ein. Und dann wird Josua alt und sieht seinen Tod nahen. Wir lesen in Josua 24

1Josua versammelte alle Stämme Israels nach Sichem und berief die Ältesten von Israel, seine Obersten, Richter und Amtleute. (Josua 24)

Und dann führte ihnen Gottes Geschichte mit seinem Volk vor Augen. Dann fing er an mit Terach, Abraham. Und dann erzählt er die Geschichte von Abraham, Isaak und Jakob, von Ägypten und von dem Auszug und von dem wunderbaren Sieg über Kanaan. Und er lässt das Volk zurückblicken: Schaut doch, welche Geschichte ihr mit dem Herrn habt. So fürchtet nun den Herrn und dient ihm treulich und rechtschaffen. Und das Volk sagt, ja, ja, das wollen wir tun. Machen wir alles, Josua. Du hast ja recht. Aber Josua reicht das nicht. Es ist ihm zu leicht dahingesagt. Ab Vers 19 sagt er

19Josua sprach zum Volk: Ihr könnt dem HERRN nicht dienen; denn er ist ein heiliger Gott, ein eifernder Gott, der eure Übertretung und eure Sünden nicht vergeben wird. 20Wenn ihr den HERRN verlasst und fremden Göttern dient, so wird er sich abwenden und euch plagen und euch umbringen, nachdem er euch Gutes getan hat. 21Das Volk aber sprach zu Josua: Nein, sondern wir wollen dem HERRN dienen. 22Da sprach Josua zum Volk: Ihr seid Zeugen gegen euch selbst, dass ihr euch den HERRN erwählt habt, um ihm zu dienen. Und sie sprachen: Ja! – 23So tut nun von euch die fremden Götter, die unter euch sind, und neigt euer Herz zu dem HERRN, dem Gott Israels. 24Und das Volk sprach zu Josua: Wir wollen dem HERRN, unserm Gott, dienen und seiner Stimme gehorchen. 25So schloss Josua an diesem Tag einen Bund für das Volk und legte ihm Gesetze und Rechte vor in Sichem. (Josua 24)

Wenn dort die Geschichte aufhören würde, wie schön wäre es. Der Sieg ist errungen, das Volk im verheißenen Land, und es schwört Gott den Eid, dass es ihm nun in diesem verheißenen Land auch nachfolgen will, ihm treu dienen. Doch dann blättern wir ein paar Seiten weiter und lesen in Richter 2 ab Vers 6, wie es weitergeht. Da lesen wir:

6Als Josua das Volk entlassen hatte und die Israeliten hingezogen waren, ein jeder in sein Erbteil, um das Land einzunehmen, 7diente das Volk dem HERRN, solange Josua lebte und die Ältesten, die noch lange nach Josua lebten und das ganze große Werk des HERRN gesehen hatten, das er an Israel getan hatte. 8Da starb Josua, der Sohn Nuns, der Knecht des HERRN, als er hundertzehn Jahre alt war. 9Und sie begruben ihn im Gebiet seines Erbteils in Timnat-Heres auf dem Gebirge Ephraim, nördlich vom Berge Gaasch. 10Als auch alle, die zu der Zeit gelebt hatten, zu ihren Vätern versammelt waren, kam nach ihnen ein anderes Geschlecht auf, das den HERRN nicht kannte, noch das Werk, das er an Israel getan hatte. 11Da taten die Israeliten, was dem HERRN missfiel, und dienten den Baalen 12und verließen den HERRN, den Gott ihrer Väter, der sie aus Ägyptenland geführt hatte, und folgten andern Göttern nach von den Göttern der Völker, die um sie her wohnten, und beteten sie an und erzürnten den HERRN. (Richter 2, 6-12)

Das Land ist eingenommen. Jetzt verteilt sich das Volk, jeder in seinen Ort, wo sie wohnen. Die Ortsgemeinden werden gegründet. Der Alltag hat begonnen. Die Menschen werden älter, die Gemeinden bekommen Junge dazu. Die Ersten, die die Gemeinde gegründet haben, das waren die, die der Herr herausgerufen hat aus der Welt, zusammengeführt hat und in das verheißene Land gebracht hat. Aber jetzt kommen die Kinder, die leiblichen Kinder und die Enkelkinder. Und die wachsen auf in diesem Umfeld. Die kennen die Riten und die Gebräuche. Aber das heißt nicht, dass sie den Herrn kennen und die Werke, die er getan hat. Dies ist die dritte Generation. Josua gehört zu den Alten, die erste Generation, die aus Ägypten ausgezogen ist. Aber von seiner Generation ist ja kaum einer ins verheißene Land gekommen. Das war dann die nächste Generation der in der Wüste geborenen. Und als diese Generation dann stirbt – die zweite Generation – kommt die dritte Generation. Und die kennt nichts mehr. Und nun tut sie das, wie sagt es uns Richter, was ihnen recht düngt in ihren Augen.

Dies korrespondiert auch wieder mit Jesu Abschiedsreden, aber Jesu anderen Abschiedsreden. Jesu letzten Abschiedsreden in der Schrift. Der auferstandene Herr, nachdem der Sieg errungen ist, nachdem die Gemeinden gegründet sind und einige Jahre hinter sich haben, da erscheint der auferstandene Herr noch einmal seinen Gemeinden und offenbart sich Johannes. Wir lesen dies in der Offenbarung. Christus gibt noch einmal, bevor er den Kanon der Schrift schließt, die letzten Worte an die Gemeinden. Und die ersten beiden Kapitel seine Botschaft (Offenbarung 2+3) richten sich konkret an sieben Gemeinden: Ihr Gemeinden, die ihr euch jetzt gegründet habt, ihr Gemeinden zu Ephesus, zu Smyrna, …, euch habe ich jetzt etwas Wichtiges zu sagen.

Dass der Leib Christi (Römer 12,4–6), die Heiligen (1 Kor 1,2), das Haus Gottes (Hebräer 10,21; 1 Petrus 2,5), das königliche Priestertum (1 Petrus 2,9), das Volk Gottes (Hebräer 4,9), die Herde Gottes (1 Petrus 5,2), die Braut Christi (Epheser 5,29–31; Offb 19,7; Offenbarung 22,16–17) Bestand hat und der Herr sie durchbringt bis ans Ende, das ist gewiss. Dass aber das Haus Bethesda Bestand hat, ist nicht gewiss.

Ich kann mich noch sehr gut erinnern, ich war noch nicht lange hier in der Gemeinde, es mag zehn Jahre her sein. Da stand hier vorne der Bruder Friedemann Wunderlich. Ich weiß nicht, wer sich noch an ihn erinnert. Mir ist die Predigt damals sehr eingegangen. Er hat uns einen Stein gezeigt. Er hat gefragt, wisst ihr, was das für ein Stein ist. Es war ein Stein, den er einfach vor der Gemeinde aufgesammelt hatte. Und dann hat er uns gesagt, wisst ihr, was von der Gemeinde in Ephesus heute noch übrig ist? Nichts als Steine. Die Gemeinde in Ephesus, es gibt sie nicht mehr. Und ihr Haus Bethesda hier in Metzingen, ihr müsst aufpassen, dass euch nicht dasselbe Schicksal droht. Und dann hat er über die Gemeinde in Ephesus gepredigt. Es mag sein, dass in fünf Jahren, in zehn Jahren, in 20 Jahren, wenn ich mal wieder in Reutlingen bin, hier ein Outlet von Hugo Boss ist und diese Gemeinde nicht mehr steht. Es kann auch sein, dass wenn ich in 20 Jahren hier mal wieder bin, diese Gemeinde als Organisation noch besteht und ich hier reinkomme, aber von hier vorne wird nicht mehr das Evangelium gepredigt. Das ist möglich.

Josua fordert das Volk auf:

14So fürchtet nun den HERRN und dient ihm treulich und rechtschaffen und lasst fahren die Götter, denen eure Väter gedient haben jenseits des Stroms und in Ägypten, und dient dem HERRN. (Josua 24, 14)

Und Christus warnt die Gemeinde und sagt ihnen

11Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! (Offenbarung 2, 11)

Christus sagt: Ihr müsst aufpassen, dass ihr als Gemeinde Bestand habt. Und auch hier will ich uns drei Punkte mitgeben. Die Offenbarung sagt immer: „Wer überwindet“. Wer überwindet

  • erstens in der Gottesfurcht und Liebe
  • zweitens in der Treue und Rechtschaffenheit und
  • drittens in der geistlichen Demut

 

Wer überwindet – in der Gottesfurcht und Liebe

Wer überwindet in der Gottesfurcht und Liebe? Wir hören es bei Josua. Aber was sagt Josua der Gemeinde?

14So fürchtet nun den HERRN … (Josua 24, 14)

Das ist das, was Josua der Gemeinde mitgibt. Fürchtet den Herrn. Und der Gemeinde in Ephesus sagt der Geist:

4… ich habe gegen dich, dass du deine erste Liebe verlassen hast. 5Denke nun daran, aus welcher Höhe du gefallen bist, und tue Buße und tue die ersten Werke! … (Offenbarung 2, 4-5)

Ihr werdet jetzt vielleicht sagen, Augenblick mal, Wilhelm, verwechselst du da nicht zwei Dinge? Josua sagt: „Fürchtet den Herrn“ und Christus sagt zu Ephesus „Ihr habt die erste Liebe verlassen.“ Ist das nicht das Gegenteil? Und ihr mögt jetzt vielleicht erst Johannes 4, 18 zitieren: „Furcht ist nicht in der Liebe.“ Nur Johannes 4 redet von der Furcht vor dem Gericht. Wenn wir die Liebe Gottes erfahren haben, dann müssen wir uns vor dem Gericht nicht mehr fürchten. Wir kommen nicht mehr ins Gericht. Das sagt nicht, dass Gottesfurcht nicht in der Liebe ist. Oder ihr erzählt mir 2. Timotheus 1, 7 steht: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ Aber hier geht es auch nicht um die Gottesfurcht. Hier geht es um die Menschenfurcht. Denn es geht weiter im Text: „Ich schäme mich des Zeugnisses nicht.“ Ich habe keine Furcht vor den Menschen.

Es ist nämlich das Gegenteil der Fall. Was sagt Christus der Gemeinde in Ephesus? Du hast die erste Liebe verlassen. Und wie findest du zurück zu der ersten Liebe? Indem du Buße tust. Und aus was resultiert die Buße? Aus der Gottesfurcht. Die Gottesfurcht und die Liebe zu Gott gehen Hand in Hand. Sie sind untrennbar miteinander verbunden.

Was ist das für eine Gemeinde in Ephesus, die die erste Liebe verlassen hat? Sie versammeln sich noch zu den Gottesdiensten, aber irgendwie ist es mühsam. Mal am Sonntag lieber ausschlafen wäre eigentlich angenehmer. Und es dauert auch immer so lange. Kann der da vorne nicht mal Schluss machen? Die Bibelstunden sind langweilig. Können wir nicht ein bisschen mehr singen? Und ein bisschen modernere Lieder. Das Gebetsleben ist mehr eine fromme Übung.

Und dann fängt es an zu menscheln in der Gemeinde. Dann geht die Liebe verloren, die Einheit im Geist. Dann hört man, wenn man sich mit den einen Geschwistern unterhält, den einen oder anderen Tratsch und Klatsch über die anderen Geschwister. Dann gibt es Rechthaberei. Dann gibt es Unfrieden. Dann gibt es Parteiungen. Die einen hören diesen Bruder lieber, die anderen hören diesen anderen Bruder lieber. Und man merkt, der Geist weht nicht mehr. Die Liebe zum Herrn ist verloren und die Liebe untereinander ist aufgesetzt. Und wo sie sich wirklich bewähren muss, wenn es schwierig wird, dann versagt sie.

Wer überwindet in der Furcht Gottes. Fürchte den Herrn und tue Buße und die ersten Werke, dass du die erste Liebe wieder hast. Das ist die Mahnung, die wir hier hören. Josua ermahnt die Gemeinde und erinnert die Gemeinde: „Fürchtet den Herrn“. Und als er ihnen ganz am Anfang seiner Geschichte auch die Heilsgeschichte des Volkes erzählt, erzählt er:

Israel ging auf trockenem Boden durch den Jordan, 23als der HERR, euer Gott, den Jordan vor euch austrocknete, bis ihr hinübergegangen wart, wie der HERR, euer Gott, am Schilfmeer getan hatte, das er vor uns austrocknete, bis wir hindurchgegangen waren; 24auf dass alle Völker auf Erden die Hand des HERRN erkennen, wie mächtig sie ist, und ihr den HERRN, euren Gott, fürchtet allezeit. (Josua 4, 24)

Und ihr den Herrn liebgewinnt? Nein, dort steht: „und ihr den Herrn, euren Gott, fürchtet allezeit.“ Petrus, als der Herr ihm diesen riesigen Fischfang beschert am Anfang seiner Jüngerschaft, er sagt nicht „Hurra, Jesus, dir nach, bei dir ist Nahrung die Fülle“, sondern er sagt „Geh weg von mir, ich bin ein sündiger Mensch.“ Und dann durfte er den Herrn erfahren und Vergebung erfahren und ihn von Herzen liebgewinnen und ihm nachfolgen. Wir lesen in Lukas 7, wie sich Jesus aufhält im Hause des frommen Simon, der sich so ein bisschen im Schatten dieser schillernden Figur Jesus sonnen will und mit ihm geistliche Gespräche führen will und ihn auch so ein bisschen vorzeigen in seinem Freundeskreis. Und dann kommt da diese Frau, diese Sünderin, sprengt diese Versammlung. Kommt da rein, heulend, benetzt Jesus die Füße und ölt seine Füße. Und was sagt Christus zu diesem Simon, der sich aufregt darüber?

44… Siehst du diese Frau? Ich bin in dein Haus gekommen; du hast mir kein Wasser für meine Füße gegeben; diese aber hat meine Füße mit Tränen genetzt und mit ihren Haaren getrocknet. 45Du hast mir keinen Kuss gegeben; diese aber hat, seit ich hereingekommen bin, nicht abgelassen, meine Füße zu küssen. 46Du hast mein Haupt nicht mit Öl gesalbt; sie aber hat meine Füße mit Salböl gesalbt. 47Deshalb sage ich dir: Ihre vielen Sünden sind vergeben, denn sie hat viel geliebt; wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig. 48Und er sprach zu ihr: Dir sind deine Sünden vergeben. (Lukas 7, 47)

Wo finden wir uns wieder? Im Simon, der in seiner Freizeit gerne mit Christus zu Tisch sitzt und fromme Gespräche mit ihm führt oder zu den Füßen Jesus, erschüttert über die eigene Schuld und alles, alles, was wir haben, ihm darbringend. Ist das die erste Liebe, die wir noch in unseren Herzen haben? Das Maß der Gottesfurcht in der Gemeinde erkennen wir an der Liebe zu Gott und an der Liebe zueinander. Und die Frage, die uns ein Josua, die uns ein Christus hier stellt, ist: „Haben auch wir hier in Metzingen oder in Neumünster diese Notwendigkeit zur Buße?“

Wer überwindet – in der Treue und Rechtschaffenheit

Das zweite, was Josua uns mitgibt, lautet: „Dient ihm [dem Herrn] treulich und rechtschaffen und lasst fahren die Götter, denen eure Väter gedient haben jenseits des Stroms und in Ägypten.“ Wir sehen dies reflektiert in den Gemeinden in Pergamon und Thyratira. Pergamon und Thyratira sind Gemeinden, in denen Irrlehre herrscht und moralischer Abfall. Wir lesen von Thyratira, dass dort die Lehre Bileams und die Lehre der Nikolaiten herrscht.

14Weniges aber habe ich gegen dich: Du hast Leute dort, die sich an die Lehre Bileams halten, der den Balak lehrte, ein Ärgernis aufzurichten vor den Israeliten, vom Götzenopfer zu essen und Hurerei zu treiben. 15So hast du auch Leute, die sich in gleicher Weise an die Lehre der Nikolaïten halten. 16Tue nun Buße; wenn aber nicht, so werde ich bald über dich kommen und gegen sie streiten mit dem Schwert meines Mundes. (Offenbarung 2, 14-16)

Was war die Lehre Bileams? Bileam, wir erinnern uns, wurde engagiert, um Israel zu verfluchen. Doch Gott hat es nicht zugelassen. Bileam musste, weil selbst sein Esel klüger war als er am Ende, obwohl er so gerne gegen Geld Israel fluchen wollte, Israel segnen. Aber es hat ihm keine Ruhe gelassen. Also hat er dem Ballack einen Tipp gegeben, hat gesagt, gebt diesem Volk, das ihr nicht besiegen könnt, einfach eure Frauen als Ehefrauen. Die werden dann da schon die Unruhe reinbringen. Die bringen ihre Götter mit, die verführen die Ehemänner und dann wird das Volk einfach von innen moralisch zersetzt. Das ist die Lehre Bileams. Wir sind ja Gottes Volk, wir sind gerettet. Wie wir uns benehmen, spielt keine Rolle. Und genau das war auch die Lehre der Nikolaiten. Die Nikolaiten haben gesagt, wir sind frei in Christus, das Gesetz gilt nicht mehr für uns. Also können wir machen, was wir wollen. Wir können Götzenopfer mitmachen und das Fleisch essen und alles machen, was die Welt macht. Wir sind ja frei vom Gesetz in Christus. Und es stimmt ja: Wir sind frei vom Gesetz des Alten Testaments, wir leben unter dem Gesetz Christi. Aber sie haben es verdreht und sind in die Unmoral gefallen.

Was lesen wir von Thyatira?

20Aber ich habe gegen dich, dass du Isebel duldest, die Frau, die sagt, sie sei eine Prophetin, und lehrt und verführt meine Knechte, Hurerei zu treiben und Götzenopfer zu essen. 21Und ich habe ihr Zeit gegeben, Buße zu tun, und sie will sich nicht bekehren von ihrer Hurerei. 22Siehe, ich werfe sie aufs Bett und mit ihr jene, die die Ehe gebrochen haben, ich stürze sie in große Trübsal, wenn sie sich nicht bekehren von Isebels Werken, 23und ihre Kinder will ich mit dem Tode schlagen. Und alle Gemeinden sollen erkennen, dass ich der bin, der Nieren und Herzen erforscht, und ich werde geben einem jeden von euch nach euren Werken. (Offenbarung 2, 20-23)

Wir lesen von Hurerei und von dem Essen von Götzenopfern, von Ehebruch. Wir lesen von der fehlenden Reinheit.

Und auch das ist eine Gefahr in der Gemeinde. Was dulden wir, was lehren wir, was leben wir in der Gemeinde? Ich habe es tatsächlich gehört, dass jemand sagt, „Ich weiß, dass ich da was tue, was andere finden, dass das nicht in Ordnung ist, aber guckt doch mal in die Gemeinde, da gibt es diesen und jenen und solche. Und die tun doch noch ganz andere Dinge. Da kann das doch mit mir nicht so schlimm sein.“

Was wir in der Gemeinde tun und lassen, was wir predigen und worauf wir Wert legen, gibt ein Zeugnis. Und im bösen Fall gibt es ein böses Zeugnis. weil wir durch unser Leben und das, was wir in der Gemeinde zulassen, sagen, das ist in Ordnung. Auch wenn es nicht in Ordnung sind. Wie streng sind wir da mit uns selbst? Jede Sünde, die ich begehe, fällt zurück auf die Gemeinde, verunehrt die Gemeinde und hindert sie, bindet ihr einen Stein ans Bein, der sie lahm werden lässt als Zeugnis vor der Welt. Wo nehmen wir den Maßstab für unser Handeln her? Reicht es uns, dass wir überall ein bisschen besser sind als die Welt? Oder legen wir Christi Maßstab an unser Leben an, und erschrecken und tun Buße und bitten den Herrn, dass er uns verändert? Ist das unser Gebet, was David betet?

23Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine. 24Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege. (Psalm 139)

Und beten wir es ernsthaft, dass der Herr uns die Augen auftut? Oder fühlen wir uns wohl, weil wir ja so viel besser sind als die anderen Geschwister und als die Kollegen bei der Arbeit? Josua sagt der Gemeinde: „Dient dem Herrn treulich und rechtschaffen und lasst alles andere fahren.“ Das ist wichtig, dass ihr rein bleibt. Ansonsten kommt heimlich durch eure Freunde, durch eure Partner, durch eure Geschwister, durch die falschen Ehepartner, die ihr euch genommen habt, die Lehre Bileams. Schleicht sich da was in euer Leben ein, was nicht in Ordnung ist. Und dann wird die Gemeinde matt und unempfindlich gegenüber dem Wort Gottes. Die zweite Warnung.

Wer überwindet – in der geistlichen Demut

Die dritte Warnung. Josua sagt dem Volk: „Dient dem Herrn“. Und was er damit insbesondere sagt, ist: „Ihr seid Diener.“ Ihr seid nicht gleich auf mit Gott, sondern euer Verhältnis zu Gott ist das Verhältnis eines Dieners zum Herrn. Und das Gegenteil davon ist geistliche Überheblichkeit. Diese geistliche Überheblichkeit sehen wir in Sardes und in Laodizea. Über Sardes heißt es:

1… Ich kenne deine Werke: Du hast den Namen, dass du lebst, und bist tot. 2Werde wach und stärke das andre, das schon sterben wollte, denn ich habe deine Werke nicht als vollkommen befunden vor meinem Gott. 3So denke nun daran, wie du empfangen und gehört hast, und halte es fest und tue Buße! Wenn du nicht wachen wirst, werde ich kommen wie ein Dieb, und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich über dich kommen werde. (Offenbarung 3, 1-3)

Du hast den Namen, dass du lebst und bist tot. Die Gemeinde fühlte sich quicklebendig. „Wir sind lebendig.“ Und sie war tot. Sie hat sich selbst nicht erkannt. Die Gemeinde in Laodizea sagt:

17… Ich bin reich und habe mehr als genug und brauche nichts! … (Offenbarung 3, 17)

Und der Herr sagt

17Du … weißt nicht, dass du elend und jämmerlich bist, arm, blind und bloß. (Offenbarung 3, 17)

Geistliche Überheblichkeit. Wir glauben, bei uns ist alles in Ordnung.

Ich reagiere immer sehr, sehr vorsichtig, wenn Gemeinden, die gerne ja auch Internetseiten haben, mit denen sie in der Welt werben, sagen, wie toll es alles bei ihnen ist. Bei uns ist alles gut. Wir sind am Herrn, wir sind groß, wir haben diese Arbeit, wir haben jene Arbeit. Alles toll.

Die Gemeinde Christi ist üblicherweise eine Versammlung von Krüppeln, von Elenden, von Herausgeretteten. Nicht das, was groß ist vor der Welt, nicht das, was etwas her macht, hat der Herr zusammengeführt, sondern das, was arm ist, elend, jämmerlich und bloß, damit die Ehre beim Herrn sei. Eine Gemeinde, die sich selbst erkennt als arm und hilflos, in der kann der Herr Segen geben. Eine Gemeinde, die sagt, ich bin reich, bei mir ist alles gut, die muss aufpassen. Sie muss aufpassen, ob sie noch geistlich ist oder nur fleischlich fromm.

Dienen wir dem Herrn oder geht es nur darum, wo und wie der Herr uns dienen kann, damit es in unserem Leben gut ist und wir ein gesundes und segensreiches und schönes Leben führen? Steht der Mensch im Mittelpunkt oder steht Christus im Mittelpunkt? Brennt das Evangelium noch als Salz? Oder ist es nur Wohlfühl-Evangelium? Spüren wir noch das Licht Christi, wie es in unseren Herzen die Sünde aufdeckt? Oder sagen wir, das Licht Christi muss nur auf den Weg vor mir scheinen, damit ich den Weg gehen kann. Aber in mein Herz hinein, da ist schon alles in Ordnung. Erkennen wir noch die geistlichen Bilder in der Schrift und erfreuen uns an geistlichen Dingen? Oder suchen wir nur noch praktische Lebensweisheiten in der Schrift? Die Schrift soll mir jetzt helfen. Wie gehe ich mit dieser Situation um? Wie mache ich es in dieser Situation? Wie gehe ich damit in der Praxis um?

Oder haben wir unsere Freude an geistlichen Dingen, die über unser Leben weit hinausragen und uns den Blick in die Ewigkeit öffnen? Reden wir statt von Sünde nur noch von Fehlern? Statt von Neugeburt von Veränderung? Statt von dem Leiden Christi um unsere Willen, von unseren Leiden um Christi Willen und unseren Unpässlichkeiten? Statt vom Sterben des alten Menschen von einem erfüllten Leben? Wollen wir mit Jesus Hand in Hand gehen? Oder sind wir bereit, uns von ihm führen zu lassen, wohin wir nicht wollen? Suchen wir die Anerkennung von Menschen und der Welt um uns herum? Oder sind wir bereit, die Schmach Christi zu tragen? Erwarten wir von Christus ein gutes Leben? Oder sind wir bereit, unser Leben zu verlieren um seinetwillen?

Ein menschliches, fleischliches Christentum kann eine Zeit lang sehr lebendig aussehen und es geht einher mit geistlicher Hochmut. Bei mir, bei uns, ist alles in Ordnung. Paulus warnt Timotheus in der letzten Zeit vor Menschen, die den Schein der Frömmigkeit haben. Das sieht alles noch gut aus, aber die Kraft, die Leben verändernde, die Herzen verändernde, die demütigende Kraft verleugnen sie (2.Timotheus 3,5). Jesus warnt vor falschen Propheten, die Verlorenen suggerieren, sie seien gerettet. so dass sie am Ende behaupten:

22…Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt? Haben wir nicht in deinem Namen Dämonen ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Machttaten getan? (Matthäus 7, 22)

Haben wir nicht in deinem Namen alles Mögliche getan. Ich erinnere mich noch sehr gut, wie Silas davon gepredigt hat. Und der Herr muss sagen,

23Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch nie gekannt; weicht von mir, die ihr das Gesetz übertretet! (Matthäus 7, 23)

 Was für eine Gefahr besteht da drin, wenn wir Menschen suggerieren, sie sind gerettet, und sie sind es nicht, weil wir ihnen die Wahrheit verschwiegen haben und sie in Sicherheit gewogen haben, weil wir das Evangelium nur zur Hälfte verkündigt haben. Und dann fällt das Samenkorn auf den felsigen Boden, wo es nicht viel Erde hat. Es geht gut auf. Es sieht erst mal gut aus, wenn die Sonne aufgeht. Und wir haben es vorhin gehört, wenn die Anfechtung von der Welt kommt, wenn es hart auf hart geht, dann verwelkt es, weil es keine Wurzeln hat und verdorrt.

5Anderes fiel auf felsigen Boden, wo es nicht viel Erde hatte, und ging bald auf, weil es keine tiefe Erde hatte. 6Als aber die Sonne aufging, verwelkte es, und weil es keine Wurzel hatte, verdorrte es. (Matthäus 13, 5-6)

Und dann bricht die Gemeinde auseinander. Der Herr sagt der Gemeinde, ihr müsst mir dienen. In all dem, dient dem Herrn. Und nicht euch selbst, seid demütig, ordnet euch dem Herrn unter.

18Ich rate dir, dass du Gold von mir kaufst, das im Feuer geläutert ist, damit du reich werdest, und weiße Kleider, damit du sie anziehst und die Schande deiner Blöße nicht offenbar werde, und Augensalbe, deine Augen zu salben, damit du sehen mögest. 19Welche ich lieb habe, die weise ich zurecht und züchtige ich. So sei nun eifrig und tue Buße! (Offenbarung 3, 18-19)

Der Herr allein kann hier die Augen auftun, wo es Not ist. Wenn wir in diese Falle tappen, dann sind unsere Augen blind. Das Erschreckende an Laodizea und an Sardes ist ja gerade, dass sie von sich selbst denken, sie sind reich, sie sind lebendig und es nicht erkennen, wo sie stehen. Und nur der Herr kann hier Buße wirken. Der Herr allein kann hier Augen auftun. Wir wollen uns ihm anvertrauen, dass er uns erkennen lässt, wo wir hier in Gefahr sind.

Zum Abschluss

Und so wollen wir zusammenfassend beide Botschaften vom Herrn annehmen. Die Ermutigung und den Trost, dass er der Herr der Seinen ist, der ihre Errettung gewirkt hat, sie in der Welt bewahrt und durch seinen Geist in alle Wahrheit leiten will. Es kennt der Herr die Seinen und hat sie stets gekannt und er führt sie ans Ziel. Aber wir wollen auch die Mahnung von ihm annehmen (von mir müsst ihr nichts annehmen): Dass wir in der Gottesfurcht und in der Liebe, in der Treue und in der geistlichen Demut als Gemeinde Acht haben, Acht haben müssen und nicht vom Wege abkommen.

Ich möchte schließen mit einigen Worten aus Hebräer 12.

1Darum auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns umstrickt. Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, 2und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und die Schande gering achtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes. 3Gedenkt an den, der so viel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, dass ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst.

12Darum stärkt die müden Hände und die wankenden Knie 13und tut sichere Schritte mit euren Füßen, dass nicht jemand strauchle wie ein Lahmer, sondern vielmehr gesund werde. 14Jagt dem Frieden nach mit jedermann und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn sehen wird, 15und seht darauf, dass nicht jemand Gottes Gnade versäume; dass nicht etwa eine bittere Wurzel aufwachse und Unfrieden anrichte und viele durch sie verunreinigt werden;

25Seht zu, dass ihr den (das ist Christus) nicht abweist, der da redet. Denn wenn jene nicht entronnen sind, die den abwiesen, der auf Erden den Willen Gottes verkündete, wie viel weniger werden wir entrinnen, wenn wir den abweisen, der vom Himmel her redet

28Darum, weil wir ein Reich empfangen, das nicht erschüttert wird, lasst uns dankbar sein und so Gott dienen mit Scheu und Furcht, wie es ihm gefällt; 29denn unser Gott ist ein verzehrendes Feuer. (Hebräer 12)

Der Herr segne uns miteinander. Amen.